Hedgefonds: Zerlegt man diesen angelsächsischen Begriff in seine Bestandteile, so fällt zunächst der bekannte Terminus ‘Fonds’ auf. Ein Fonds ist das vertraglich abgesicherte Gebilde (Sammelstelle) einer Gesellschaft, die das Kapital von Anlegern einsammelt und u. a. in Aktien (Dividendenpapiere)
und Anleihen (Zins- oder Rentenpapiere) anlegt. Auch andere Anlageformen, wie Währungen und Rohstoffe, können Gegenstand der Kapitalsammelstellen sein. Es gibt viele Formen von Fonds. Die gezahlten Beträge werden von sogenannten Fondsmanagern gesammelt und möglichst gewinnbringend
angelegt, variierend in Laufzeit und/oder Renditechancen. Die Wortkomponente ‘hedge’ bedeutet bei wörtlicher Übersetzung als Substantiv ‘Hecke’ als Verb ‘sichern’ oder genauer ‘absichern’. Schon vor 100 Jahren wollten sich Industrieunternehmen gegen Zins- und Währungsrisiken ‘schützen’. Aus
diesem Bedürfnis heraus entwickelten Investmentgesellschaften verschiedene Arten von Hedgefonds für die Risikoabsicherung, wie etwa gegen steigende Rohstoffpreise oder schwankende Währungen und Aktienkurse. Hedgefonds spekulieren somit auf die Zukunft: Zum Beispiel verkaufen Hedgefonds -
Manager geliehene Aktien und spekulieren, diese vor Ende der Leihfrist billiger zurückkaufen zu können.
Die eigentliche Absicht von Hedgefonds, Risiken in der realen Wirtschaft zu minimieren, wurde im Laufe der Zeit abgewandelt: Hedgefonds – Manager spekulieren schon seit Jahren auf Kredit, um eine höhere Eigenkapitalrendite zu erzielen. Dieser unter dem Begriff Leverage-Effekt bekannte Sachverhalt funktioniert – vereinfacht – so: Falls die Gesamtkapitalrentabilität einer Investition höher ist als der Zinssatz des eingesetzten Fremdkapitals, erhöht sich mit zunehmendem Verschuldungsgrad, also Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital, die Rendite des eingesetzten Eigenkapitals.
Inzwischen spielen auch Leerverkäufe bei Hedgefonds eine große Rolle: Der Fonds leiht sich Wertpapiere aus und verkauft sie sofort per Termin an der Börse zum aktuellen Kurs. Sind zum vereinbarten Stichtag, d.h. am Tag der Rückgabe der Wertpapiere, die Kurse erwartungsgemäß gefallen, so ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Wiederbeschaffungskurs abzüglich der Fremdkapitalzinsen für das Entleihen der Gewinn – sind sie jedoch gestiegen, erleidet der Fonds einen Verlust, der im schlimmsten Fall zum Totalausfall des Kapitals führen kann. Experten haben dieses Prinzip der Gewinnmaximierung mit einer unüberschaubaren Zahl von teilweise hochkomplizierten Varianten verfeinert. Dabei spielt die reale Wirtschaft längst keine Rolle mehr,
eher die kurzfristige Spekulation unter Inkaufnahme hoher Risiken.
Die Leerverkäufe machen an der Börse ein Überangebot bestimmter Wertpapiere glauben, das es eigentlich nicht gibt. Leerverkäufe können somit einen Kursverfall beschleunigen. Deshalb wurden sie in der Finanzkrise zeitweilig verboten. Leerverkäufe wollen die EU-Staaten und andere Industrieländer durch neue Richtlinien eindämmen. Entsprechende Regeln wurden im Mai 2010 beschlossen. Aber auch das gerade in Deutschland so verpönte Zerstückeln von durch Hedgefonds aufgekaufte Unternehmen soll unterbunden werden.